{"id":64,"date":"2019-10-28T10:58:07","date_gmt":"2019-10-28T10:58:07","guid":{"rendered":"http:\/\/wanderblog.yoga-ewen.de\/?p=64"},"modified":"2019-10-29T15:10:40","modified_gmt":"2019-10-29T15:10:40","slug":"eindaemmung-der-neophyten-in-der-eifel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wanderblog.yoga-ewen.de\/?p=64","title":{"rendered":"Eind\u00e4mmung der Neophyten in der Eifel"},"content":{"rendered":"\n<p>\nNeophyten\nsind Pflanzen- oder Tierarten, die nach der Entdeckung Amerikas 1492\nzu uns, zum Beispiel in die Eifel, kamen. Dieser Zeitpunkt wurde\ngew\u00e4hlt, da seitdem ein reger Handel zwischen den Kontinenten\nstattfindet und viele gebietsfremde Arten bei uns eingef\u00fchrt wurden.\nZahlreiche Neophyten sind bewusst bei uns eingebrachte Nutz- oder\nZierpflanzen, z.B. die Kartoffel mit Heimat in S\u00fcdamerika oder die\nRoss-Kastanie, die aus dem Balkan stammt. Unter den bewusst\neingebrachten Pflanzen finden sich auch  Pflanzen, die durch ihre\nBesonderheiten das hiesige Gleichgewicht st\u00f6ren. Als st\u00f6rend kann\nzum einen ein besonders starker Verdr\u00e4ngungscharakter angesehen\nwerden und zum anderen Eigenschaften, die Mensch und Tier Schaden\nzuf\u00fcgen k\u00f6nnen. Die \u201eSchwarze Liste\u201c enth\u00e4lt die Neophyten,\nbei denen es belegt ist, dass sie negative Auswirkungen in einem\nBezugsgebiet auf die dort heimischen Arten oder Lebensr\u00e4ume haben.\nDie \u201eSchwarze Liste\u201c unterteilt sich in eine Warnliste und in\neine Aktionsliste. Die Warnliste beschreibt gebietsfremde Arten, die\nwild in Deutschland noch nicht vorkommen. Weiter gibt es noch die\nManagementliste. Sie enth\u00e4lt gebietsfremde Arten die sehr gro\u00dfr\u00e4umig\nvorkommen oder die kleinr\u00e4umig vorkommen und keine geeigneten\nSofortma\u00dfnahmen existieren. Wenn eine Neophyte einen besonderen\nVerdr\u00e4ngungscharakter gegen\u00fcber einheimischen Arten zeigt, spricht\nman von einer \u201einvasiven Art\u201c. Zu erw\u00e4hnen seien noch die\nunbewusst eingebrachten Pflanzen, die zum Beispiel durch\nVerunreinigung des Saatgutes Einzug hielten. Da jede Pflanze einen\nihr eigenen Verbreitungscharakter hat, wird im folgenden auf zwei\nbesonders auff\u00e4llige Pflanzen eingegangen. Zum einen der\n\u201eRiesen-B\u00e4renklau\u201c und zum anderen der\n\u201eJapanische-Staudenkn\u00f6terich\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nHeimat des \u201eRiesen-B\u00e4renklau\u201c ist der Kaukasus. Er wurde\nabsichtlich im Jahr 1828 und 1893 in Gro\u00dfbritanien sowie in der\nersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland als Zierpflanze\neingef\u00fchrt. Der \u201eRiesen-B\u00e4renklau\u201c, auch als Herkulesstaude\nbekannt, ist eine \u201einvasive Pflanze\u201c welche in der Schwarzen- und\nin der Managementliste aufgef\u00fchrt wird. Er ist eine 2-5m hohe\nStaude. Seine\nBl\u00e4tter mit 3-5 teiligen Abschnitten k\u00f6nnen bis\n\u00fcber einen Meter lang werden. Der Bl\u00fctenstand ist tellerf\u00f6rmig und\nhat einen Durchmesser von bis zu 80 cm. Die Bl\u00fcten sind wei\u00df bis\nrosafarben. Die Bl\u00fctezeit\nreicht von Juni bis August. Sein Lebensraum sind Fluss- und Seeufer,\nWaldr\u00e4nder, Waldlichtungen und Gr\u00fcnlandbrachen. Als Gef\u00e4hrdung\nwird die Abdunklung der Bodenschicht gesehen und damit ein R\u00fcckgang\nder Krautschicht. Kreuzungen mit dem \u201eWiesen-B\u00e4renklau\u201c und\ndamit eine St\u00f6rung der Vegetationszusammensetzung sind bekannt. Der\nVerdr\u00e4ngungscharakter ist durch die hohe Vermehrungsrate sehr\ndeutlich. Der Saft der Pflanze wirkt bei Hautkontakt phototoxisch,\ndas hei\u00dft, bei Sonneneinstrahlung entfaltet sich erst die ganze\nKraft des Gifts und f\u00fchrt zu schweren Verbrennungen. Was tun?\nGro\u00dffl\u00e4chige Best\u00e4nde sind zu fr\u00e4sen oder bis zu sechs mal vor\nder Bl\u00fcte und Samenbildung zu m\u00e4hen. Dabei sollten die Bl\u00fctenk\u00f6pfe\ngesondert im Restm\u00fcll entsorgt werden. Eine Beweidung ist m\u00f6glich.\nKleine Best\u00e4nde k\u00f6nnen durch Ausgraben bek\u00e4mpft werden, oder durch\nAbschneiden der Bl\u00fctenst\u00e4nde vor der Samenbildung.<\/p>\n\n\n\n<p>\nSeit\nmehr als zehn Jahren besch\u00e4ftigt der \u201eRiesen-B\u00e4renklau\u201c die\nBeh\u00f6rden. \u201eDer Landkreis Vulkaneifel\u201c hat in den letzten Jahren\ndurch verschiedene Aktionen versucht die Verbreitung einzud\u00e4mmen. Es\ngab verschiedene Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahmen des Jobcenters der\nKreisverwaltung Vulkaneifel, bei denen \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume\nviele Fl\u00e4chen, insbesondere entlang der Kyll, \u201eges\u00e4ubert\u201c\nwurden. Es gab auch in der Vergangenheit bereits einen Einsatz der\nBundeswehr, bei dem die Pflanzen suksessive entlang des Baches\nentfernt wurden. Zur Zeit fehlen Mittel, wie Arbeitskr\u00e4fte und\nentsprechende F\u00f6rdergelder um die Ma\u00dfnahmen zu wiederholen. Die\noberste Naturschutzbeh\u00f6rde des Landes Rheinland-Pfalz sagt schon\nseit L\u00e4ngerem, dass der Kampf gegen die Ausbreitung des\n\u201eRiesen-B\u00e4renklau\u201c als verloren gilt. Die untere\nNaturschutzbeh\u00f6rde des Landkreises Vulkaneifel vertritt die\nAuffassung, dass die Ausbreitung dieser Pflanze auf biotopisch\nwichtigen Naturschutzr\u00e4umen einged\u00e4mmt beziehungsweise verhindert\nwerden sollte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nun\nzum \u201eJapanischem-Staudenkn\u00f6terich\u201c dessen Heimat China und\nOstasien ist. Er wurde als Zierpflanze 1823 zuerst in den\nNiederlanden und dann 1872 in Deutschland eingebracht. Er wurde als\nViehfutter, Wild\u00e4sung und B\u00f6schungsbefestigung genutzt. Der\n\u201eJapanische-Staudenkn\u00f6terich\u201c, ist eine invasive Pflanze die in\nder Schwarzen- und in der Managementliste aufgef\u00fchrt wird. Der\n\u201eJapanische-Staudenkn\u00f6terich\u201c ist eine Staude, welche bis zu\ndrei Meter hoch wachsen kann. Er hat kr\u00e4ftige St\u00e4ngel und bl\u00fcht\nvon August bis Oktober. Er findet sich in den Flu\u00dft\u00e4lern und an\ngr\u00f6\u00dferen B\u00e4chen. Die Gef\u00e4hrdung entsteht durch Verdr\u00e4ngung\nheimischer Pflanzen- und Insektenarten durch Aufbau dichter\nDominanzbest\u00e4nde. Der stark industrialisierte Raum\nAachen\/Stolberg\/Eschweiler scheint ein Ausbreitungszentrum des\n\u201eJapanischen-Staudenkn\u00f6terich\u201c\ndarzustellen.\nVieles deutet darauf hin, dass lokale Ausbreitung bzw. Verschleppung\nvon Standorten au\u00dferhalb der Auen bzw. Ufer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung hat\nals die lineare Ausbreitung entlang der Gew\u00e4sser. Was tun? Die\nBek\u00e4mpfung ist sehr teuer und in vielen F\u00e4llen nicht praktikabel.\nEin metertiefes Ausgraben der Wurzeln bietet keine Garantie f\u00fcr eine\nkonsequente Beseitigung. Durch Abm\u00e4hen gelingt es, die\nKn\u00f6terich-Arten bedeutend zu schw\u00e4chen. In den ersten Jahren sind\nbis zu acht Schnitte erforderlich. Eine weitere Methode beginnt damit\nzuerst das Blattwerk mit einem sanften Strahl kochend hei\u00dfem Wasser\naus einem Spr\u00fchrechen langsam und intensiv einzureiben. Deutlich\nsichtbar knickt das Blattwerk durch die Hei\u00dfwasserbehandlung ein.\nAnschlie\u00dfend werden mit einer zehn Zentimeter tiefen Injektion\nmittels einer spitzen Wasserlanze die Wurzeln behandelt. Dies sorgt\nf\u00fcr ein Absterben. Die Behandlung im oberen Bereich der Wurzeln\nsch\u00e4digen diese Pflanze bis in die tiefsten Spitzen hinein. Alle\nMa\u00dfnahmen haben zu ber\u00fccksichtigen, dass der Energievorrat der\nPflanze vor allem in den unterirdischen Teilen eingelagert ist. Die\nEntfernung oberirdischer Pflanzenteile kann deshalb nur \u00fcber einen\nsehr langen Zeitraum zu einem R\u00fcckgang der Best\u00e4nde f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>\nBeide\nNeophyten, der Riesen-B\u00e4renklau und der\n\u201eJapanische-Staudenkn\u00f6terich\u201c werden unser Landschaftsbild wohl\nnachhaltig ver\u00e4ndern. Es sei denn man entwickelt eine gemeinsame\nStrategie zur Eind\u00e4mmung. Die Stadt Monschau, die Gemeinde\nSimmerath, die Gemeinde Roetgen und die biologische Station der\nSt\u00e4dteregion Aachen haben als Untere Naturschutzbeh\u00f6rde im\nvergangenen Jahr einen runden Tisch gebildet. Unter Koordination der\nbiologischen Station sollen die Kommunen im Rahmen ihrer Wege- und\nGr\u00fcnfl\u00e4chenpflege Neophyten entfernen. Auch Du kannst was tun,\nStichwort heimischer Garten: Dringend bitten die Kommunen und die\nBio-Station die Bev\u00f6lkerung darum, bei der Beseitigung der\nEindringlinge auch auf privatem Grund und Boden mitzuhelfen, ihre\nGrundst\u00fccke auf Vorkommen von Neophyten zu \u00fcberpr\u00fcfen und im\nEinzelfall die Beseitigung mit der biologischen Station abzustimmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neophyten sind Pflanzen- oder Tierarten, die nach der Entdeckung Amerikas 1492 zu uns, zum Beispiel in die Eifel, kamen. Dieser Zeitpunkt wurde gew\u00e4hlt, da seitdem ein reger Handel zwischen den Kontinenten stattfindet und viele gebietsfremde Arten bei uns eingef\u00fchrt wurden. 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